Grundkonzepte der Systemanalyse
Grundkonzepte der Systemanalyse sind die fundamentalen Begriffe und Prinzipien, die die Grundlage der Systemanalyse bilden. Sie dienen als Werkzeuge zur Beschreibung, Modellierung, Analyse, Synthese und zum Entwurf komplexer Systeme, insbesondere bei der Lösung vielschichtiger Probleme und zur Unterstützung der Entscheidungsfindung in jedem Fachgebiet, einschließlich der analytischen Planung. Ihre Beherrschung ermöglicht es Fachleuten, Wechselbeziehungen und Interdependenzen zu erkennen, Komplexität zu bewältigen, Probleme zu strukturieren und fundierte Lösungen zu entwickeln.
System und seine Umgebung
Im Zentrum der Systemanalyse steht die Vorstellung des Untersuchungsobjekts als ein System – eine ganzheitliche Einheit, deren Eigenschaften sich nicht auf die bloße Summe der Eigenschaften ihrer Teile reduzieren lassen.
- System: Der zentrale Begriff. Ein Objekt, das aus miteinander verbundenen Teilen (Elementen) besteht und als eine Einheit betrachtet wird. Es zeichnet sich durch emergente Eigenschaften aus, die aus der Interaktion der Elemente entstehen. Siehe Definitionen eines Systems.
- Systemelement: Eine Komponente des Systems, die auf der jeweiligen Analyseebene als unteilbar betrachtet wird und eine bestimmte Funktion erfüllt oder bestimmte Eigenschaften besitzt.
- Beziehungen in Systemen: Stabile Verhältnisse zwischen den Elementen, die deren Interaktion und den Austausch von Materie, Energie oder Informationen sicherstellen. Gerade die Beziehungen erzeugen Interdependenz und definieren die Ganzheitlichkeit des Systems.
- Systemstruktur: Die Art und Weise, wie die Elemente und ihre Beziehungen zueinander organisiert sind. Sie bestimmt die innere Ordnung des Systems, sein Verhalten und ist der Träger von emergenter Eigenschaften. Siehe Strukturierung von Systemen.
- Systemgrenzen: Eine konventionelle oder reale Linie, die das System von seiner Umgebung trennt. Die Festlegung der Grenzen ist von entscheidender Bedeutung, subjektiv und hängt vom Ziel der Untersuchung, der Position des Beobachters (Akteurs) und dem Kontext des Problems ab, insbesondere in sozialen und organisatorischen Systemen.
- Systemumgebung: Alles, was sich außerhalb der Systemgrenzen befindet, aber mit dem System interagiert, sein Verhalten beeinflusst und/oder von ihm beeinflusst wird. Das Verständnis der Umgebung ist für die Analyse von Ein- und Ausgaben sowie des Kontexts der Funktionsweise unerlässlich.
Funktionsweise und Dynamik
Diese Konzepte beschreiben die Aktivität eines Systems, seine Veränderungen über die Zeit und seine Ausrichtung auf die Erreichung von Zielen.
- Funktion: Die Rolle oder Handlung, die ein Systemelement oder das System als Ganzes ausführt, um auf einer höheren Ebene gesetzte Ziele zu erreichen. Funktionen definieren den Beitrag einzelner Teile zum Gesamtverhalten des Systems.
- Ziel: Ein erwünschter zukünftiger Zustand des Systems oder das Ergebnis seiner Funktionsweise. Das Ziel gibt dem System eine Richtung vor und dient als Grundlage für die Definition von Funktionen und Effizienzkriterien. In komplexen Systemen können Ziele vielfältig und bei verschiedenen Akteuren widersprüchlich sein, implizit formuliert sein und eine Priorisierung erfordern.
- Systemzustand: Die Gesamtheit der Werte der Schlüsselparameter eines Systems zu einem bestimmten Zeitpunkt. Der Zustand spiegelt die aktuelle Konfiguration des Systems und seine Bereitschaft zur Funktionserfüllung wider.
- Systemverhalten: Die Abfolge von Zustandsänderungen des Systems über die Zeit, die durch interne Interaktionen und externe Einflüsse bedingt ist. Das Verhalten wird durch die Systemstruktur, seine Ziele und die Beziehungen zwischen den Elementen bestimmt.
- Prozess: Eine Abfolge von miteinander verbundenen Aktionen oder Zustandsänderungen, die Eingaben in Ergebnisse umwandeln, um die Funktionen des Systems zu realisieren oder seine Ziele zu erreichen.
- Problematik: Eine systemische Gesamtheit von miteinander verbundenen Problemen, bei der die Lösung eines Problems andere beeinflussen kann. Die Systemanalyse zielt darauf ab, die Struktur solcher komplexen Problemgeflechte zu verstehen und Strategien für deren umfassende Lösung zu entwickeln, anstatt isolierte Aufgaben zu lösen.
Wesentliche Systemeigenschaften
Systeme besitzen einzigartige Eigenschaften, die aus der Interaktion ihrer Teile entstehen. Diese Eigenschaften lassen sich grob in strukturelle und dynamische unterteilen, die jeweils den Aufbau und das Verhalten von Systemen widerspiegeln. Sie sind miteinander verknüpft: Ganzheitlichkeit erzeugt Emergenz, und Emergenz ist die Grundlage für Stabilität, Anpassungsfähigkeit und Entwicklung von Systemen.
- Systemintegrität: Die prinzipielle Einheit eines Systems, die durch die starke Vernetzung und Interdependenz seiner Elemente bedingt ist. Eine Änderung eines Elements wirkt sich auf das gesamte System aus.
- Emergenz: Das Auftreten qualitativ neuer Eigenschaften in einem System, die seine einzelnen Elemente nicht besitzen und die sich nicht aus deren Analyse ableiten lassen. Emergenz ist eine Folge der Ganzheitlichkeit und Struktur des Systems.
- Hierarchie: Die mehrstufige Organisation eines Systems, die seine innere Ordnung sicherstellt. Eine Hierarchie kann eine natürliche Eigenschaft eines Systems sein oder als Methode zur Vereinfachung der Analyse komplexer Systeme und Probleme verwendet werden (siehe [[Analytischer Hierarchieprozess]]).
- Systemstabilität: Die Fähigkeit eines Systems, seinen Zustand oder seine Verhaltensbahn bei externen oder internen Störungen beizubehalten. Stabilität ist mit der Fähigkeit verbunden, zu einem Zielzustand zurückzukehren (siehe [[Homöostase]]).
- Systemadaptivität: Die Fähigkeit eines Systems, sein Verhalten oder seine Struktur als Reaktion auf Veränderungen in der externen Umgebung anzupassen, um sein Überleben und seine effektive Funktionsweise unter neuen Bedingungen zu gewährleisten.
- Systementwicklung: Die Fähigkeit eines Systems zu gerichteten qualitativen Veränderungen, die zu einer komplexeren Struktur, erweiterten funktionalen Möglichkeiten oder einer Änderung der Ziele führen.
- Systemkomplexität: Eine integrale Eigenschaft eines Systems, die die Vielfalt seiner Elemente, Beziehungen und Organisationsebenen, den nichtlinearen Charakter seines Verhaltens, das Vorhandensein von Rückkopplungsschleifen sowie den Einfluss zahlreicher Akteure mit unterschiedlichen Zielen und subjektiven Wahrnehmungen widerspiegelt.
- Unsicherheit im System: Eine Eigenschaft, die mit unvollständiger Information, zufälligen Prozessen, subjektiven Bewertungen und der Unvorhersehbarkeit der externen Umgebung zusammenhängt. Unsicherheit begrenzt die Möglichkeiten einer exakten Modellierung und Vorhersage des Systemverhaltens.
Ansätze und Methoden der Systemanalyse
Die Systemanalyse verwendet spezifische Ansätze und Werkzeuge, um mit Komplexität umzugehen.
- Modellierung: Die Erstellung eines Modells – einer vereinfachten Darstellung eines Systems – zu dessen Untersuchung, Analyse oder Vorhersage. Eine Schlüsselmethode der Systemanalyse. Siehe Modellierungsprozess.
- Analyse (Dekomposition): Eine Methode zur Zerlegung eines komplexen Systems in einfachere Teile (Subsysteme, Elemente) zu deren Untersuchung.
- Synthese: Eine Methode zur Zusammenführung von Wissen über einzelne Teile und deren Interaktionen, um das System als Ganzes zu verstehen, Alternativen zu bewerten oder eine Lösung zu entwickeln. Ergänzt die Analyse.
- Hierarchische Strukturierung: Die Darstellung eines komplexen Problems in Form einer Hierarchie (von Zielen, Kriterien, Alternativen, Akteuren) als Methode zu dessen Vereinfachung und Analyse (z. B. im AHP).
- Priorisierung und Paarvergleiche: Methoden zur Bestimmung der relativen Wichtigkeit oder Präferenz von Systemelementen (Zielen, Kriterien, Alternativen) auf der Grundlage von Experten- oder Akteursurteilen, die es ermöglichen, mit qualitativen und subjektiven Faktoren zu arbeiten.
- Rückkopplung: Ein Mechanismus, bei dem die Ergebnisse eines Systems seine vorherigen Stufen beeinflussen, was die Grundlage für Selbstregulierung, Anpassung und Entwicklung bildet. Die Berücksichtigung von Rückkopplungen ist entscheidend für das Verständnis der Dynamik.
- Black Box: Ein Modellierungsansatz, bei dem die interne Struktur ignoriert wird und der Schwerpunkt auf dem Verhältnis von Ein- und Ausgaben liegt.
- Akteure (Beobachter, Stakeholder, Entscheidungsträger): Die Anerkennung der Schlüsselrolle von Subjekten, die am System oder seiner Analyse beteiligt sind. Ihre Ziele, Werte, subjektiven Urteile und Wahrnehmungen bestimmen die Problemstellung, die Grenzen, die Struktur und die Bewertungskriterien. Siehe Objektives und Subjektives in der Systemanalyse.
Schlüsselprinzipien der Systemanalyse nach T. Saaty und K. Kearns
mini|Analytische Planung. T. Saaty und K. Kearns|288x288px T. Saaty und K. Kearns heben eine Reihe von Prinzipien hervor, die besonders wichtig sind, wenn die Systemanalyse auf Planungs- und Entscheidungsfindungsaufgaben in komplexen Umgebungen angewendet wird:
- Ganzheitlichkeit und Interdependenz (Problematik): Es wird betont, dass Ereignisse und Probleme in komplexen Systemen (insbesondere in sozialen) miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Sie können nicht isoliert betrachtet und gelöst werden. „Systeme und Planung sind zwei fundamentale Konzepte, die untrennbar miteinander verbunden sind: Sie können nicht getrennt betrachtet werden.“ Die Untersuchung der „Problematik“ (des vernetzten Problemgeflechts) ist wichtiger als die Lösung einzelner Aufgaben.
- Ausrichtung auf die Planung und Gestaltung der Zukunft: Der systemische Ansatz wird als Instrument zur aktiven Gestaltung der Zukunft betrachtet. „Planung ist der Entwurf einer wünschenswerten Zukunft und effektiver Wege, sie zu erreichen. Sie ist ein Werkzeug der Weisen, aber nicht nur ihrer.“ Die Analyse zielt nicht nur darauf ab, den aktuellen Zustand zu verstehen, sondern auch Strategien zu entwickeln, um die gewünschten Ziele zu erreichen.
- Subjektivität und Berücksichtigung der Akteursperspektive: Es wird anerkannt, dass die Wahrnehmung von Problemen, Zielen und Kriterien subjektiv ist und von den „Akteuren“ (Teilnehmern, Stakeholdern, Entscheidungsträgern) abhängt. Komplexe Probleme umfassen oft zahlreiche Akteure mit unterschiedlichen, manchmal widersprüchlichen Zielen und Werten. Die Analyse muss diese verschiedenen Perspektiven berücksichtigen. „Komplexität hängt nicht nur von der Interdependenz ab, sondern auch von der Anzahl der interagierenden Komponenten.“
- Kritik am Reduktionismus und Notwendigkeit systemischen Denkens: Traditionelle analytische Methoden, die auf Reduktionismus (der Reduzierung des Ganzen auf seine Teile) und Positivismus (dem Glauben an vollständige Objektivität) beruhen, erweisen sich in komplexen Situationen oft als ineffektiv. Der systemische Ansatz bietet eine ganzheitliche Sicht, die Wechselbeziehungen und qualitative Aspekte berücksichtigt. Es ist notwendig, „über den Rahmen“ rein quantitativer oder mechanistischer Modelle „hinauszugehen“.
- Hierarchische Strukturierung als Methode: Die Hierarchie wird nicht nur als Eigenschaft einiger Systeme betrachtet, sondern auch als leistungsstarke Methode zur Strukturierung komplexer, schlecht definierter Probleme. „Der Analytische Hierarchieprozess (AHP) wird in der Planung angewendet, ... um Prioritäten zu bestimmen, Kosten-Nutzen-Analysen durchzuführen und Ressourcen zuzuweisen.“ Dies ermöglicht die Zerlegung eines Problems in überschaubare Ebenen (Ziele, Kriterien, Alternativen) und die anschließende Synthese der Urteile.
- Bedeutung der Synthese neben der Analyse: Systemanalyse ist nicht nur die Zerlegung des Komplexen in Teile (Analyse), sondern auch die anschließende Zusammenführung und Integration von Wissen und Urteilen (Synthese), um eine ganzheitliche Bewertung zu erhalten und eine Entscheidung zu treffen. Methoden wie der AHP umfassen Verfahren zur „Synthese mehrerer Urteile, der Ableitung von Prioritäten für Kriterien und der Findung alternativer Lösungen“.
- Integration quantitativer und qualitativer Bewertungen: Der systemische Ansatz, insbesondere bei der Verwendung von Methoden wie dem AHP, ermöglicht die Arbeit sowohl mit messbaren Daten als auch mit qualitativen, subjektiven Urteilen von Experten und Akteuren, indem diese auf eine einheitliche Skala für Vergleich und Synthese gebracht werden. Dies ist für reale Probleme, bei denen nicht alles objektiv messbar ist, von entscheidender Bedeutung.
Schlüsselprinzipien der Systemanalyse (nach E. Quade)
mini|Analyse komplexer Systeme. E. S. Quade |318x318px
E. Quade beschreibt die Systemanalyse (im Kontext der Lösung komplexer Wahlprobleme) durch eine Reihe von Schlüsselprinzipien und Merkmalen, die sie von enger gefassten Ansätzen wie dem Operations Research unterscheiden:
- Systemischer Ansatz als Methodik zur Unterstützung von Entscheidungsträgern: Die Systemanalyse wird als „ein Ansatz zur Betrachtung ... komplexer Wahlprobleme unter Unsicherheit“ definiert, der „die Entscheidungsfindung“ durch den Entscheidungsträger „erleichtert“. Ihr Ziel ist es nicht, den Entscheidungsträger zu ersetzen, sondern ihm eine „Grundlage für Urteile“ zu liefern, indem Ziele, Alternativen, Kosten und Konsequenzen systematisch untersucht werden.
- Breiter Kontext und Interdisziplinarität: Die Systemanalyse betrachtet Probleme „in einem breiten Kontext“ und berücksichtigt nicht nur technische, sondern auch wirtschaftliche, operative, soziale und politische Aspekte. Sie erfordert die Einbeziehung von Spezialisten „verschiedener Wissensgebiete“.
- Zentrale Rolle der Unsicherheit: Es wird anerkannt, dass komplexe Zukunftsprobleme durch tiefgreifende Unsicherheit gekennzeichnet sind („technische Unsicherheit“, „Unsicherheit bezüglich des Gegners“, „statistische Unsicherheit“). Die Systemanalyse zielt nicht darauf ab, Unsicherheit zu beseitigen, sondern auf die „Berücksichtigung von Unsicherheiten“ und die Entwicklung von Lösungen, die robust gegenüber diesen sind.
- Kritische Bedeutung der Problemstellung: Die korrekte Formulierung des Problems, die Definition von Zielen, die Festlegung der Untersuchungsgrenzen und die Identifizierung relevanter Faktoren ist die wichtigste und schwierigste Phase der Analyse. „Die Systemanalyse beginnt mit der Definition des Problems“, und dies erfordert erhebliche Intuition und Kontextverständnis.
- Verwendung von Modellen als Denkwerkzeug: Modelle (mathematische, logische, spieltheoretische) sind das zentrale Element der Analyse, stellen jedoch eine „idealisierte Version der realen Situation“ dar. Ihr Hauptwert liegt in der Organisation des Denkens, der Aufdeckung von Zusammenhängen und der Erleichterung des Vergleichs von Alternativen, nicht in der exakten Vorhersage. „Das Modell ... ist ein Element des Systementwurfs.“
- Auswahlkriterien: Die Wahl eines angemessenen Kriteriums zum Vergleich von Alternativen ist „ein außerordentlich wichtiger Schritt“. Häufig wird das Verhältnis von „Kosten und Effektivität“ verwendet, aber die Wahl des Kriteriums hängt von den Zielen und dem Kontext ab, und es gibt keine universelle Lösung. Es ist wichtig, „falsche Kriterien“ und die „Unterschätzung der absoluten Größe des Ziels oder der Kosten“ zu vermeiden.
- Notwendigkeit von Urteilen und Intuition: Die Systemanalyse ist „nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch eine Kunst“. Sie ist „von Intuition und Urteilsvermögen durchdrungen“. Subjektive Urteile von Experten und Analysten sind in allen Phasen unvermeidlich: von der Problemstellung und der Auswahl der Faktoren bis zur Interpretation der Ergebnisse und der Formulierung von Empfehlungen. Modelle und Berechnungen sind „eine Hilfe für logische Methoden“, ersetzen aber nicht den gesunden Menschenverstand.
- Iterativität und sukzessive Annäherungen: Die Systemanalyse ist „ein Prozess sukzessiver Annäherungen“, der „wiederholte Zyklen“ der Verfeinerung von Aufgaben, Daten, Modellen und Kriterien umfasst. Es ist kein linearer Prozess, sondern eher ein iteratives Lernen.
Schlüsselprinzipien der Systemanalyse (nach S. Optner)
mini|Systemanalyse zur Lösung von Geschäfts- und Industrieproblemen. Optner.|303x303px
S. Optner stellt die Systemanalyse als eine Methodik zur Problemlösung vor, insbesondere im geschäftlichen und industriellen Bereich, die auf folgenden Schlüsselprinzipien beruht:
- Das System als Eingabe-Ausgabe-Transformator: Die Grundlage ist die Vorstellung des Systems als ein Prozess, der Eingaben in Ausgaben umwandelt. „Ein System wird durch die Definition von Systemobjekten, Eigenschaften und Beziehungen bestimmt. Die Systemobjekte sind Eingang, Prozess, Ausgang, Rückkopplung und Beschränkung.“ Das Verständnis dieser Struktur ist zentral für die Analyse.
- Steuerung durch Rückkopplung und Vergleich mit einem Kriterium: Systeme werden durch Rückkopplung gesteuert und angepasst. „Rückkopplung ist die Funktion eines Teilsystems, das den Ausgang mit einem Kriterium vergleicht. Das Ziel der Rückkopplung ist die Steuerung.“ Dieser Mechanismus ermöglicht es, Abweichungen von Zielen oder Standards zu messen und korrigierende Maßnahmen zu ergreifen.
- Das Problem als Lücke zwischen dem Bestehenden und dem Gewünschten: Ein Problem wird definiert als „eine Situation, in der es zwei Zustände gibt: einen, der als der bestehende bezeichnet wird, und einen anderen, der als der angestrebte bezeichnet wird.“ Die Lösung des Problems besteht in dem „Schließen der Lücke zwischen dem bestehenden und dem gewünschten Zustand.“
- Problemlösung als Konstruktion/Veränderung eines Systems: Die Systemanalyse zielt darauf ab, ein System zu konstruieren, das das Problem löst. „Das System ist also das, was das Problem löst.“ Dies kann die Veränderung bestehender Objekte, Eigenschaften und Beziehungen oder die Schaffung neuer umfassen.
- Ganzheitlichkeit und das vollständige System: Es wird die Notwendigkeit betont, „das vollständige System“ zu betrachten, einschließlich aller relevanten Objekte, Eigenschaften und Beziehungen, um das Problem in seinem Kontext zu verstehen und Suboptimierung zu vermeiden.
- Strukturierter und iterativer Analyseprozess: Es wird eine klare Abfolge von Schritten zur Problemlösung vorgeschlagen: „Problemfindung, Bewertung seiner Relevanz, Zieldefinition..., Aufdeckung der Struktur des bestehenden Systems, Identifizierung fehlerhafter Elemente..., Erstellung eines Satzes von Alternativen, Bewertung der Alternativen, Auswahl von Alternativen zur Umsetzung...“ usw. Dieser Prozess ist iterativ.
- Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Problemen: Es wird die Existenz sowohl quantitativer als auch qualitativer („schwach strukturierter“) Probleme anerkannt. Obwohl quantitative Methoden dort bevorzugt werden, wo dies möglich ist, muss die Systemanalyse auch mit schwach strukturierten Situationen umgehen können, um Klarheit und Ordnung zu schaffen.
- Operationale Beschreibung des Systems: Es ist wichtig, nicht nur die funktionalen Zusammenhänge („was“) zu definieren, sondern auch eine operationale Beschreibung („wie“) das System seine Funktionen erfüllt, um seine Funktionsweise und Verbesserungsmöglichkeiten zu verstehen.
Schlüsselprinzipien der Systemanalyse (nach J. I. Tschernjak)
alt=Systemanalyse in der Wirtschaftssteuerung. J. I. Tschernjak.|mini|316x316px|Systemanalyse in der Wirtschaftssteuerung. J. I. Tschernjak.
J. I. Tschernjak stellt die Systemanalyse als eine interdisziplinäre Methodik vor, die zur Untersuchung komplexer Objekte, insbesondere in Wirtschaft und Management, angewendet wird:
- System als konzeptionelles Modell: Das Untersuchungsobjekt wird „in die abstrakten Kategorien der Systemtheorie“ überführt. Das System wird verstanden als „die Widerspiegelung der Eigenschaften von Objekten und ihrer Beziehungen bei der Lösung einer Aufgabe im Bewusstsein des Subjekts“; es ist „eine Denkweise“, „die Formulierung und Ordnung von Problemen“. Die Schlüsselkomponenten des Systems sind: Objekt, Beobachter, Aufgabe, Sprache.
- Ganzheitlichkeit und Vernetzung: Die Systemanalyse, „der auf der Systemtheorie basiert, berücksichtigt die prinzipielle Komplexität des untersuchten Objekts, seine verzweigten und starken Wechselbeziehungen mit der umgebenden Welt sowie die Nichtbeobachtbarkeit einer ganzen Reihe seiner Eigenschaften.“ Es wird die Notwendigkeit betont, das Objekt als eine Ganzheit zu betrachten, die aus miteinander verbundenen Elementen (Subsystemen) besteht.
- Zielgerichtetheit: Objekte (insbesondere Wirtschaftssysteme) werden als „zielgerichtete Systeme“ betrachtet. Die Analyse konzentriert sich auf die Identifizierung und Strukturierung von Zielen auf verschiedenen Ebenen (Zielhierarchie, Zielbaum) und deren Verbindung mit den Mitteln zur Erreichung.
- Hierarchie und Struktur: Die Analyse geht davon aus, dass Systeme als hierarchische Strukturen betrachtet werden („Volkswirtschaft, Branche, Teilbranche, Unternehmen, Werkstatt, Brigade“). „Die Struktur eines Systems ist ... eine teilweise Ordnung der Elemente und der Beziehungen zwischen ihnen nach einem bestimmten Merkmal.“ Der Begriff der Struktur spielt „eine außerordentlich wichtige Rolle in der Systemanalyse“.
- Prozesshaftigkeit und Dynamik: Systeme werden als dynamisch und sich ständig verändernd betrachtet. Die Analyse umfasst die Untersuchung von „Prozessen und Phänomenen“ und deren Entwicklung im Zeitverlauf.
- Interdisziplinarität und breite Anwendung: Es wird betont, dass die Systemanalyse „an der Schnittstelle einer ganzen Reihe von Wissenschaftszweigen und menschlichen Tätigkeitsbereichen liegt“. Sie wird in Wirtschaft, Technik, Biologie, Medizin, Politik, Militärwesen usw. angewendet.
- Strukturierung von Problemen: Eine der Hauptaufgaben der Systemanalyse besteht darin, „ein unklar formuliertes Problem zumindest in eine schwach strukturierte Form“ zu überführen. Dies wird durch Dekomposition, Definition von Grenzen, Zielen, Alternativen und Kriterien erreicht.
- Wissenschaftliches Instrumentarium: Die Systemanalyse verwendet ein umfangreiches „wissenschaftliches Instrumentarium“, das Methoden des Operations Research, mathematische Modellierung, Spieltheorie, Szenariomethoden, Expertenbewertungen („Delphi“), diagnostische Methoden, Zielbäume, Matrizen und Netzwerkmethoden umfasst. Jedoch ist „das Wichtigste in der Systemanalyse ... wie man Komplexes in Einfaches verwandelt.“
- Rolle des Beobachters (Forschers): Die Rolle des „Subjekts der Untersuchung“ und seine Position gegenüber dem Objekt wird hervorgehoben. Die Analyse umfasst nicht nur die Untersuchung des Objekts, sondern auch die Organisation des Forschungsprozesses selbst.
Schlüsselprinzipien der Systemanalyse (nach S. Young)
S. Young stellt die Systemanalyse als eine Methode zur Gestaltung und Neuausrichtung von Managementsystemen in Organisationen auf der Grundlage ihres „vollständigen“ Modells vor. Die Schlüsselprinzipien dieses Ansatzes umfassen:
- Die Organisation als problemlösendes System: Eine Organisation wird als ein zielgerichtetes System betrachtet, dessen Hauptfunktion die effektive Lösung von Problemen ist. Das Management einer Organisation ist das Management des Entscheidungsprozesses.
- Systemmanagement als Entwurf: Das Ziel der Systemanalyse ist nicht nur, das bestehende Managementsystem zu beschreiben oder zu verbessern, sondern „das vollständige Managementsystem der Organisation zu entwerfen“. Der Ansatz ist normativ (beschreibt, wie es „sein sollte“).
- Fokus auf den Entscheidungsprozess: Das zentrale Element des Managementsystems ist der Entscheidungsprozess. Young analysiert und strukturiert diesen Prozess detailliert und hebt seine Funktionen (Phasen) hervor, wie z. B. Zieldefinition, Problemidentifikation, Lösungssuche, Bewertung und Auswahl, Abstimmung, Genehmigung, Umsetzung, Anwendungsmanagement und Wirksamkeitsprüfung.
- Normativer Ansatz für den Entwurf: Das Managementsystem sollte „als Ganzes“ auf der Grundlage rationaler Prinzipien und Methoden entworfen werden und nicht spontan entstehen.
- Messbarkeit, Information und Kontrolle: Die Bedeutung der Messung von Systemeigenschaften (einschließlich der Effektivität von Entscheidungen), der Nutzung von Informationen und des Vorhandenseins von Kontroll- und Rückkopplungsmechanismen zur Steuerung des Entscheidungsprozesses und zur Anpassung der Organisation wird betont.
- Der menschliche Faktor und die Abstimmung: Die Bedeutung des menschlichen Faktors (Führungskräfte, Mitarbeiter) und die Notwendigkeit von Mechanismen zur Abstimmung von Entscheidungen zwischen verschiedenen Teilnehmern und Abteilungen der Organisation werden anerkannt, um deren Integrität und Effektivität zu gewährleisten.
Literatur
- T. Saaty, K. Kearns. Analytische Planung. Organisation von Systemen. Moskau: Radio i swjas, 1991
- E. Quade. Analyse komplexer Systeme. Moskau: Sowetskoje Radio, 1969
- S. Optner. Systemanalyse zur Lösung von Geschäfts- und Industrieproblemen. Moskau: Sowetskoje Radio, 1969
- Tschernjak, J. I. Systemanalyse in der Wirtschaftssteuerung. Moskau: Ekonomika, 1975
- Young, S. Systemmanagement der Organisation. Moskau: Sowetskoje Radio, 1972