Systemumgebung
Systemumgebung — die Gesamtheit von Objekten, Faktoren und Bedingungen, die sich außerhalb der Grenzen eines Systems befinden, aber mit ihm interagieren und seine Funktionsweise beeinflussen. Die Umgebung formt den Kontext, in dem das System existiert, schafft die Eingangsbedingungen, begrenzt oder erweitert sein Verhaltensrepertoire und kann sich unter dem Einfluss des Systems selbst verändern.
Allgemeine Definition
Die Umgebung ist der externe Bereich eines Systems, mit dem ein Austausch von Informationen, Materie, Energie oder funktionalen Einwirkungen stattfindet. Im Gegensatz zu Subsystemen sind die Elemente der Umgebung nicht Teil des Systems, üben jedoch einen erheblichen Einfluss darauf aus und sind oft selbst einer Rückwirkung ausgesetzt.
Offenheit und Interaktion
Ein System funktioniert unter den Bedingungen der Offenheit, was das Vorhandensein von Folgendem bedeutet:
- Eingängen — Einwirkungen seitens der Umgebung;
- Ausgängen — Ergebnisse der Systemtätigkeit, die in die Umgebung zurückfließen;
- Rückkopplung — Mechanismen, durch die die Konsequenzen der Handlungen des Systems in seinem nachfolgenden Verhalten berücksichtigt werden.
Das Black-Box-Modell beschreibt ein System durch die Interaktion mit seiner Umgebung, wobei die interne Struktur ignoriert wird: Es werden nur die Eingänge und Ausgänge beobachtet.
Das Konzept der Systemgrenze
Die Grenze zwischen einem System und seiner Umgebung ist ein analytisch definierter Begriff, der sich je nach Untersuchungszielen, Detaillierungsgrad und Fachgebiet ändern kann. Sie legt fest, welche Elemente in das System einbezogen und welche als extern betrachtet werden.
Grenzen können sein:
- physisch (z. B. die Umzäunung eines Objekts),
- logisch (z. B. funktionale Blöcke),
- konzeptionell (z. B. in kognitiven und organisationalen Modellen).
Klassifikation der Umgebung
Die Umgebung kann nach mehreren Merkmalen klassifiziert werden:
Nach Art des Einflusses
- aktiv — wirkt bewusst oder zielgerichtet auf das System ein;
- passiv — schafft die Rahmenbedingungen.
Nach Stabilität
- statisch — die Eigenschaften ändern sich während der Analyse nicht;
- dynamisch — die Umgebungsparameter ändern sich im Zeitverlauf;
- turbulent — die Umgebungsänderungen sind chaotisch oder abrupt.
Nach Einflussgrad
- steuerbar — kann vom System beeinflusst werden;
- unsteuerbar — entzieht sich der Kontrolle und erfordert Anpassung.
Die Umgebung als Faktor der Unsicherheit
Die Umgebung ist oft die Hauptquelle externer Unsicherheit:
- Ihr Zustand und Verhalten können nicht immer präzise vorhergesagt werden;
- Selbst geringfügige Veränderungen in der Umgebung können die Funktionsweise des Systems erheblich verändern;
- Der probabilistische, unscharfe und szenariobasierte Charakter von Umgebungsänderungen muss berücksichtigt werden.
Die Umgebung in der Systemanalyse
In der Systemanalyse umfasst die Untersuchung der Umgebung:
- die Identifikation ihrer Schlüsselkomponenten;
- die Modellierung möglicher Veränderungen und ihrer Auswirkungen;
- die Bestimmung der Abhängigkeiten zwischen dem Zustand der Umgebung und der Effektivität des Systems;
- die Formulierung von Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit, Stabilität und Steuerbarkeit des Systems.
Die Umgebung in der Modellierung
Im Rahmen der Modellierung:
- wird die Umgebung in Form von Randbedingungen, Szenarien oder Steuerparametern definiert;
- kann sie als eine Menge von Eingangsvariablen dargestellt werden;
- wird sie in einigen Fällen in Teilumgebungen unterteilt: normative, technische, soziale, ökologische, marktbezogene usw.
Evolution der Umgebung und systemische Konsequenzen
In der Dynamik der Interaktion zwischen Systemen und ihrer Umgebung werden folgende Phänomene beobachtet:
- eine Beschleunigung der Veränderungen im externen Kontext (zunehmende Komplexität);
- eine Interdependenz zwischen den Elementen der Umgebung und den Elementen einer Vielzahl von Systemen;
- eine Deformation der Grenze: eine Neuverteilung der Rollen zwischen System und Umgebung im Zuge der Präzisierung der Analyseaufgaben.
Umgebung und Systemhierarchie
Jedes System kann als Element eines größeren Supersystems betrachtet werden. Je nach Analyseebene kann die Umgebung Folgendes umfassen:
- Supersysteme (Systeme einer höheren Ebene),
- koordinierende Systeme,
- untergeordnete oder unterstützende Systeme,
- die relevante Umgebung (das unmittelbare Umfeld mit den bedeutendsten Einwirkungen).
Umgebung und strategisches Verhalten
Die Analyse der Umgebung ist notwendig bei:
- der Gestaltung von Entwicklungsstrategien,
- der Formulierung eines Zielsystems,
- der Bewertung der Stabilität von Entscheidungen.
Es ist unmöglich, ein realistisches und erreichbares Ziel ohne Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen zu formulieren.