Wahl
Wahl ist der Prozess, bei dem einige Alternativen aus einer Menge von anderen bevorzugt oder bestimmte Optionen zugunsten anderer verworfen werden. Eine Wahl kann sowohl bewusst und rational als auch intuitiv oder impulsiv sein, abhängig von den Bedingungen, Zielen und Eigenschaften des entscheidenden Subjekts.
Entscheidung und Wahl
Der Begriff „Entscheidung“ ist vieldeutig und umfasst folgende Interpretationen:
- als Menge der verfügbaren Alternativen, die vom Subjekt in Betracht gezogen werden;
- als Prozess der Suche nach einer bevorzugten Variante, einschließlich Analyse, Vergleich und Bewertung;
- als Ergebnis der Wahl — eine konkrete Alternative, die als die beste anerkannt wird;
- als verwaltungsrechtlicher oder normativer Akt, formalisiert als Anordnung, Beschluss, Gerichtsurteil usw.
Die eigentliche Entscheidungsfindung (englisch decision making) ist eine spezifische Art intellektueller Tätigkeit, die eine begründete Wahl der besten (oder akzeptablen) Variante (oder einer Reihe von Varianten) aus den möglichen Optionen unter Berücksichtigung zahlreicher Faktoren und Einschränkungen beinhaltet.
Formalisierung der Wahl
Im Rahmen der Systemanalyse, des Operations Research und der Entscheidungstheorie wird die Wahl als eine Operation über einer Menge von Alternativen interpretiert, deren Ergebnis eine Teilmenge der gewählten (zulässigen, bevorzugten) Alternativen ist. In der Praxis wird meist eine einzige Variante gewählt, dies ist jedoch keine zwingende Voraussetzung.
Der Wahlprozess ist eng mit der Optimierung verbunden — der Wahl einer Alternative, die eine gegebene Zielfunktion maximiert oder minimiert. Dies macht die Wahl zu einem zentralen Element in den Theorien der Effizienz, des Managements und des Designs.
Bedingungen der Wahl
Die Wahl erfolgt unter verschiedenen informativen und operativen Bedingungen, was die Art der angewandten Methoden bestimmt:
- Unter Sicherheit — alle Parameter und Konsequenzen sind bekannt. In diesem Fall wird angenommen, dass: alle möglichen Alternativen bekannt sind; die Konsequenzen jeder Variante eindeutig bestimmt sind; es keine Zufälligkeit oder Variabilität in den Reaktionen der Umgebung auf die gewählte Aktion gibt.
- Unter Risiko — die probabilistischen Eigenschaften der Ergebnisse sind bekannt. Für jede Entscheidung sind mehrere Ergebnisse möglich; jedes Ergebnis ist mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit verbunden; die Wahrscheinlichkeiten sind entweder aus statistischen Daten bekannt oder können begründet geschätzt werden (durch Experten oder empirisch).
- Unter Unsicherheit — es fehlt an ausreichenden Informationen, um Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten zu bewerten. In diesem Fall: fehlen verlässliche Informationen über Wahrscheinlichkeiten und Konsequenzen; sind nur grobe, qualitative oder expertenbasierte Schätzungen möglich; ist das Verhalten der Umgebung unvorhersehbar oder die Informationen sind unzureichend für die Erstellung eines formalen Modells.
Modi der Wahl
Wahlmodi können sein:
- einmalig — die Wahl wird nur einmal getroffen;
- wiederkehrend — ähnliche Entscheidungen werden mehrfach getroffen (z. B. im operativen Management).
Die Kriterien zur Bewertung von Alternativen können eindimensional oder multikriteriell (siehe multikriterielle Optimierung), sowohl quantitativ als auch qualitativ sein.
Begrenzte Rationalität
In der Praxis findet der Wahlprozess oft unter folgenden Bedingungen statt:
- Unvollständigkeit, Widersprüchlichkeit oder Ungenauigkeit von Informationen;
- hohe Fehlerkosten;
- Zeit- und Ressourcenmangel;
- begrenzte kognitive Fähigkeiten des Menschen.
Dies erfordert den Einsatz von Kompetenz, Intuition und praktischer Erfahrung sowie die Nutzung von automatisierten Entscheidungsunterstützungssystemen und Methoden der Schnellanalyse.
Rationale und optimale Wahl
Die rationale Wahl ist eine subjektiv begründete Wahl, die in Übereinstimmung mit dem Präferenzsystem des Entscheidungsträgers (ET) getroffen wird, auch wenn nicht alle Parameter des Problems formalisierbar sind. Sie setzt voraus:
- das Vorhandensein einer inneren Logik (z. B. Transitivität und Widerspruchsfreiheit der Präferenzen);
- die Möglichkeit, Verfahren zur Elimination und Kompensation von Kriterien anzuwenden;
- die Berücksichtigung individueller Bewertungen des Werts und der Akzeptanz von Varianten.
Die optimale Wahl wird im Rahmen formalisierter Modelle realisiert, in denen Folgendes vorhanden ist:
- eine klar definierte Zielfunktion;
- eine festgelegte Menge zulässiger Alternativen;
- Kriterien, nach denen jede Alternative bewertet und verglichen werden kann.
Kollektive Wahl
Bei vielen Problemen werden Entscheidungen von Gruppen von Personen getroffen — von Kollegialorganen, Jurys, Komitees, Räten, Wählern usw. In diesem Fall stellt sich die Aufgabe, individuelle Präferenzen zu einer kollektiven Entscheidung zu aggregieren.
Dabei sind erforderlich:
- formale Abstimmungs- und Wahlverfahren;
- Methoden zur Kompromissfindung;
- Schutz vor Manipulationen und Paradoxa der kollektiven Wahl (siehe Arrow-Paradoxon, Condorcet-Theorem u. a.).
Verwandte Disziplinen und Fachgebiete
Zusätzliche Aspekte im Zusammenhang mit der Wahl werden im Rahmen folgender Disziplinen ausführlich behandelt:
- Nutzentheorie — Bewertung von Alternativen durch Präferenzfunktionen;
- Spieltheorie — Wahl von Strategien unter Bedingungen interagierender Interessen;
- Entscheidungsanalyse — Bewertung von Entscheidungen unter Berücksichtigung von Risiken und Unsicherheit;
- Methoden zur Entscheidungsunterstützung — Algorithmisierung und Automatisierung der Wahl;
- Risikomanagement — Wahl unter Berücksichtigung der Bewertung und des Managements von Risiken;
- Kognitive Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung — Einfluss von Psychologie und Wahrnehmung auf die Entscheidungsfindung;
Siehe auch
- Entscheidungstheorie
- Operations Research
- Optimierung
- Systemanalyse