Kriterium
Kriterium ist ein Merkmal, auf dessen Grundlage eine Bewertung, Definition oder Klassifikation von etwas vorgenommen wird; ein Bewertungsmaßstab.
Ein Kriterium stellt ein bestimmtes Merkmal dar, mit dessen Hilfe ein Gegenstand oder ein Phänomen charakterisiert werden kann.
Allgemeinwissenschaftlicher Aspekt
Im weiteren Sinne wird ein Kriterium als ein Merkmal oder ein Maß definiert, auf dessen Grundlage eine Bewertung, Definition oder Klassifikation von etwas vorgenommen wirdgufo.me. Das heißt, ein Kriterium dient als universelle Grundlage für den Vergleich von Objekten und Phänomenen. Oft werden Kriterien als quantitative Modelle qualitativer Ziele betrachtet: Sie sollen Ziele formalisieren und sich ihnen annähern, während sie messbare Indikatoren bleiben. Somit fungiert ein Kriterium in der Wissenschaft als eine objektive Eigenschaft, die es ermöglicht, Alternativen objektiv zu vergleichen oder die Erfüllung von Bedingungen zu überprüfen.
Das Kriterium in der Systemanalyse
Kriterien sind in gewissem Sinne quantitative Modelle qualitativer Ziele. Tatsächlich ersetzen die formulierten Kriterien die Ziele gewissermaßen. Von Kriterien wird eine möglichst große Übereinstimmung mit den Zielen, eine Ähnlichkeit mit ihnen, gefordert. Gleichzeitig können Kriterien jedoch nicht vollständig mit Zielen übereinstimmen, da sie unterschiedlich festgelegt werden. Ziele werden lediglich benannt. Kriterien hingegen müssen in bestimmten Messskalen ausgedrückt werden. Nicht selten findet man auch eine etwas andere, aber ebenfalls legitime Interpretation des Begriffs „Kriterium“, bei der die qualitative Seite des erzielten Ergebnisses, der Zielerreichung, als Kriterium betrachtet wird. In diesem Fall wird der Begriff „Kriterium“ von den Begriffen „Indikator“ und „Parameter“ getrennt. In dieser Interpretation kann ein und dasselbe Kriterium mehrere Indikatoren oder Parameter haben.
Problemsituationen, die eine Lösung erfordern, enthalten verschiedene Arten von Unsicherheiten, die sich grob auf Unsicherheiten der Natur, des Menschen und der Ziele der Problemlösung zurückführen lassen. Um die Unsicherheit zu überwinden, greift man auf eine vereinfachte Darstellung der anstehenden Aufgabe und die Erstellung von Modellen zurück, was stets ein informeller und nicht reglementierter Prozess ist. Einer der verbreitetsten Ansätze zur Vereinfachung der Wahlaufgabe besteht darin, zusätzliche Informationen durch die Beschreibung der betrachteten Varianten (Alternativen, Objekte) in der Sprache der Kriterien zu gewinnen.
Die Gesamtheit der Kriterien, die zur Beschreibung einer Problemsituation verwendet werden, muss die folgenden Anforderungen erfüllen:
- Vollständigkeit – Der Satz von Kriterien muss alle wesentlichen Aspekte des betrachteten Problems, die Qualität seiner Lösung und die Hauptmerkmale der Varianten widerspiegeln;
- Zerlegbarkeit – Die Zusammensetzung der Kriterien muss die Beschreibung und Analyse des Problems vereinfachen und die Bewertung verschiedener Merkmale der Varianten sowie unterschiedlicher Aspekte der Lösungsqualität ermöglichen;
- Redundanzfreiheit – Die Anzahl der Kriterien sollte das für die Lösung der Aufgabe notwendige Minimum sein, und die Kriterien sollten sich inhaltlich nicht überschneiden;
- Transparenz – Inhalt und Bedeutung der Kriterien sowie die Formulierungen der Bewertungsabstufungen auf den Kriterienskalen müssen von allen am Entscheidungsprozess Beteiligten eindeutig verstanden werden.
Das Kriterium in der Entscheidungstheorie
Ein Kriterium ist in der Entscheidungstheorie ein Element einer Entscheidungsaufgabe, nach dem ein Entscheidungsträger (ET) die eine oder andere Alternative aus einer Menge von Alternativen auswählt.
In der Entscheidungstheorie wird ein Kriterium als metrischer oder symbolischer Indikator betrachtet, nach dem der ET (Entscheidungsträger) Alternativen bewertetlevutkin.github.io. Es formalisiert das Ziel der Aufgabe – zum Beispiel die Maximierung des Gewinns oder die Minimierung des Risikos – und dient als Regel zur Auswahl der besten Variante. Wenn mehrere Kriterien auftreten (multikriterielles Problem), wird die Suche nach einer Kompromisslösung, die allen wichtigen Indikatoren gerecht wird, zum Gegenstand der Analyse.
Wissenschaftlich-methodologischer Aspekt
Aus methodologischer Sicht erfüllen Kriterien die Rolle von Regeln oder Bedingungen, die die Fundiertheit einer wissenschaftlichen Untersuchung gewährleisten. In der Epistemologie wird beispielsweise das Wissenschaftlichkeitskriterium formuliert – eine Regel zur Demarkation wissenschaftlichen Wissens. So schlug K. Popper das „Falsifizierbarkeitskriterium“ vor: eine wissenschaftliche Hypothese muss überprüfbar sein und die Möglichkeit der Widerlegung zulassen. In einem allgemeineren Sinne können methodologische Kriterien Anforderungen an die Korrektheit von Modellen, die Vollständigkeit von Beweisen oder die Wiederholbarkeit von Experimenten definieren. Auf diese Weise festgelegte Kriterien garantieren einen strengen Ansatz bei der Formulierung wissenschaftlicher Schlussfolgerungen und die Adäquanz der erzielten Ergebnisse.
Philosophischer Aspekt
In der Philosophie wird das Kriterium als Maßstab für die Wahrheit eines Urteils oder einer Tatsache verstanden. Die Epistemologie und Gnoseologie untersuchen genau die „Wahrheitskriterien“, d.h. die Grundlagen, nach denen wahre und falsche Aussagen unterschieden werden. Verschiedene philosophische Schulen schlagen unterschiedliche Kriterien vor: Einige stützen sich auf formale Widerspruchsfreiheit und logische Korrektheit, andere auf die Übereinstimmung mit der Erfahrung oder dem praktischen Ergebnis. So definierten Vertreter des klassischen Empirismus (Hume, Russell) die Wahrheit durch die Übereinstimmung mit Sinneswahrnehmungen, während Pragmatiker sie durch den Nutzen und den praktischen Erfolg von Vorstellungen definiertengufo.me. In idealistischen und logischen Traditionen wird der Schwerpunkt auf die innere Konsistenz des Wissens gelegt. Die marxistische Philosophie hebt hervor, dass „in der Frage, ob dem Denken gegenständliche Wahrheit zukommt, die Praxis entscheidet“– die Praxis wird als Kriterium der Wahrheit betrachtet. Somit ist das philosophische Verständnis des Kriteriums mit der Wahl grundlegender Erkenntnisprinzipien verbunden, die das Maß der Zuverlässigkeit des Wissens bestimmen.
Linguistischer Aspekt
Der Begriff „Kriterium“ wurde aus dem Griechischen (κριτήριον von krínō „ich unterscheide, ich urteile“) über lateinische und französische Formen entlehnt. Wörterbücher definieren „Kriterium“ als „ein Merkmal, auf dessen Grundlage eine Bewertung, Definition oder Klassifikation von etwas vorgenommen wird“. Somit bezeichnet „Kriterium“ in der Sprache einen sprachlichen Begriff – eine Grundlage für Entscheidungen oder Urteile über einen bestimmten Gegenstand.